Von KLAUS GRUNEWALD
Sie kamen aus dem idyllischen Huntetal und landeten in der Hölle. Nach den Worten ihres Trainers Heiner Thiemann war es jedenfalls unterirdisch, was die Spieler der HSG Barnstorf/Diepholz bei der HSG Schwanewede/Neuenkirchen gezeigt hatten. Knapp, aber völlig verdient mit 27:26 (16:12) setzten sich die "Schwäne" in einer intensiv geführten und hoch spannenden Partie gegen den Spitzenreiter der Oberliga Nordsee der Männer durch.
SCHWANEWEDE ▪ Es war die erste Saisonniederlage überhaupt, die der Aufstiegsaspirant vor 275 begeisterten Zuschauern in der "Heidehölle" getauften Schwaneweder Halle hinnehmen musste. Und die Gäste hätten sich nicht beschweren können, wäre sie noch höher ausgefallen. Über weite Strecken der Begegnung kauften die Schützlinge von "Schwäne"-Trainer Henning Schomann dem Favoriten mit großem, kämpferischem Einsatz den Schneid ab. Vor allem die 4:2-Defensivtaktik der Hausherren schmeckte den Männern aus dem Kreis Diepholz überhaupt nicht. Ihr sonst auf Hochtouren laufender Angriffsmotor stotterte. "Wir sind noch nicht so in Tritt wie in der Hinrunde", hatte Thiemann schon vor dem Spiel in Schwanewede kritisch festgestellt.
Was die Leistung der Hausherren freilich nicht schmälerte. "Wir haben uns die ganze Woche auf dieses Spiel vorbereitet und sind belohnt worden", freute sich Trainer Henning Schomann nach dem Schlusspfiff. Und atmete erst einmal tief durch. Denn die Schlussphase riss die Zuschauer von den Sitzbänken. Beim Stande von 27:26 starteten sechs Barnsdorfer gegen vier Schwaneweder Feldspieler acht Sekunden vor Abpfiff den letzten Versuch, zumindest einen Punkt zu retten. Und sie hatten den Torschrei schon auf den Lippen, als Finn Richter (Saulius Liutikas, Anm. d. Red.) zum Sprungwurf ansetzte. Doch wieder einmal, wie so oft und in spektakulärer Manier, warf sich "Schwäne"-Schlussmann Daniel Sommerfeld in die Bahn des Balles und hielt den Sieg fest.
Der rein statistisch auch schon deshalb in Ordnung ging, weil die Gastgeber in der gesamten Partie nur ein einziges Mal in Rückstand gerieten. Das Spiel war erst 19 Sekunden alt, als die Unparteiischen auf Siebenmeter für die Gäste entschieden und Andreas Gervé vollstreckte. Mit seinen beiden nächsten Versuchen vom Punkt scheiterte der Barnstorfer an Sommerfeld; danach übernahm Marek Soloka die von den Schiedsrichtern nicht immer korrekt verordnete Vollstreckung" - und traf neun Mal.
Doch vor allem im ersten Durchgang kompensierten die Hausherren die Bestrafungen nahezu problemlos. Vor allem, weil sie mit Andreas Szwalkiewicz einen Angreifer mit Torgarantie in ihren Reihen haben. Er ließ sich am Sonnabend 13 Mal als Torschütze feiern.
Doch in einem Handballspiel kommt es nicht selten vor, dass die klar führende Mannschaft plötzlich den Faden verliert. In der Heidehölle passierte es in den ersten zehn Minuten der zweiten Halbzeit. Nach vier eklatanten Abspielfehlern kassierten die "Schwäne" vier Tore - 18:18 (39.). Und als Siebenmeterkönig Soloka Sekunden später mutterseelenallein am Kreis auftauchte, bewahrte Sommerfeld sein Team reaktionsschnell vor dem Rückstand. Gleichwohl sollte es spannend bleiben: Zwei Minuten vor Schluss stand es 25:25, dann markierten Mirko Ahrens und Andreas Szwalkiewicz die siegbringenden Treffer. Und die Halle stand Kopf. Henning Schomann aber analysierte kühl, dass man das angepeilte Ziel erreicht und sich die Punkte wiedergeholt habe, die bei der Schlappe in Fredenbeck liegen gelassen worden seien.
[Die Norddeutsche 30.01.2012]